illoyal - Journal für Antimilitarismus
illoyal hat einige Meinungen von Frauen im Spannungsfeld zwischen völliger
Ablehnung des Waffendienstes für Frauen und Forderung nach gleichberechtigtem
Dienst in der Bundeswehr aufgeführt, dabei sind bewußt nicht Positionen
von Parteien insgesamt, sondern die von Frauen wiedergegeben.
Der Bundesfrauenrat von Bündnis 90 / Die Grünen ... hat im Mai 1997 beschlossen, einen Abschnitt mit dem Thema "Soldatinnen
als Vorwand für eine Militarisierung der Gesellschaft" ins Wahlprogramm der
Partei einzubringen. "Eine weitere Öffnung der Bundeswehr für Frauen"
heißt es in dem Beschluß, "läuft darauf hinaus, militärische
Die feministische Frauenarbeitsgemeinschaft LISA der PDS ... hat Anfang Mai 1997 eine Erklärung verabschiedet, in der sie das faktische Berufsverbot für Frauen in bestimmten Bereichen der Bundeswehr mehrheitlich als Diskriminierung ablehnt, die "weder mit Artikel 3 (2) noch mit Artikel 12 Grundgesetz zu vereinbaren ist". Andererseits jedoch erklären die LISA-Frauen, sich nicht an der Kampagne zu beteiligen, die die "Forderung nach Gleichberechtigung lediglich benutzt, um eine weitere Militarisierung der Bundesrepublik populär zu verpacken und mehrheitsfähig zu machen". In der gleichen Erklärung wird die Abschaffung der Wehrpflicht und aller anderen Zwangsdienste als ein erster Schritt zur Abschaffung der Bundeswehr gefordert. Einigkeit besteht darüber, daß die LISA-Frauen sich nicht an der insgesamt für die Bundeswehr imagefördernden Diskussion beteiligen wollen. Die Feministische Partei DIE FRAUEN ... lehnt die Möglichkeit militärischer Konfliktlösung prinzipiell ab, also den militärischen Einsatz von Frauen und ihre Ausbildung dazu. Die Partei fordert die Auflösung der Bundeswehr. In ihrem Programm betonen die FRAUEN , daß Gewalt gegen Frauen als heuchlerisches Argument benutzt wird, um militärische Einsätze zu rechtfertigen, und zwar von Politikern, die nicht mit gleicher Vehemenz gegen die Vergewaltigung von Frauen und Mädchen in der BRD vorgehen. Dem Parteiprogramm der FRAUEN ist ein Minderheitenvotum angeschlossen, in dem ein Waffendienst für Frauen in der Bundeswehr gefordert wird, solange es die Bundeswehr noch gibt. Im Unabhängigen Frauenverband ... wurde die Frage Bundeswehr und Frauen nach Auskunft von Marinka Körzendörfer aus dem Berliner UFV zuletzt 1990 diskutiert. Eine Forderung, Frauen den bewaffneten Dienst in der Bundeswehr zu ermöglichen, bezeichnet Marinka Körzendörfer in Übereinstimmung mit dem damaligen Diskussionsstand als unsinnig. Wenn überhaupt über die Bundeswehr diskutiert werde, dann solle es immer um eine Abschaffung der Bundeswehr gehen. Statt Frauen rein! also: Männer raus! Der Landesparteitag der Berliner SPD ... hat im August 1997 einen Antrag angenommen, nach dem die Bundeswehr für Frauen ohne Einschränkung geöffnet werden soll. Mit dem "uneingeschränkten freiwilligen Zugang" von Frauen zur Bundeswehr falle "eins der letzten staatlichen Berufsverbote für Frauen". Lore Hüser aus der AG Sozialdemokratische Frauen sieht die Forderung nach einem Waffendienst für Frauen als emanzipatorische Forderung an, da mit einem freiwilligen Waffendienst für Frauen eine berufliche Diskriminierung ausgeräumt werde, und verweist darauf, daß Frauen in anderen NATO-Staaten seit langem die Möglichkeit haben, Waffendienst zu leisten. Die Frauen-Union, der Frauenverband der CDU, ... ist schwer zu erreichen. Nach vergeblichen Telefonaten wird die Anfrage, ob das Thema
Frauen und Bundeswehr in der Frauen-Union Berlin diskutiert worden sei,
ob es vielleicht Pressemitteilungen dazu gebe, so beantwortet:
(zusammengestellt von Ulrike Gramann) |