illoyal - Journal für Antimilitarismus
Worte zum Quartal
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Liebe Leserinnen und Leser,
illoyal wird in Berlin produziert, und Berlin liegt glücklicherweise nicht an der Oder, sondern an der zurückhalterenden Spree. Wer weiß, befänden sich unsere Arbeitsräume im Oderbruch, wären möglicherweise Hunderte bundeswehrbegeisterte BürgerInnen schimpfend zu uns hereingeflutet. Wollen wir doch den heldenhaften Sommereinsatz unserer Truppe nicht unkritisch zu den Akten legen, wie im Artikel "Durchbruch an der Oder?" nachzulesen.
Der kalte Schweiß kann all jenen auf die Stirn treten, die sich ansehen, wie sich die Bundeswehr für weltweite Einsätze fit macht. Weitgehend jenseits der Öffentlichkeit vollziehen sich entscheidende Umstrukturierungen, die in unserem Schwerpunkt-Thema "Schöne neue Bundeswehr" unter die Lupe genommen werden.
Nasse Füße sollen "unsere Jungs" nicht mehr bekommen, dafür erhalten sie nicht nur neue Uniformen, sondern auch ein Training, das aus den ehemaligen Schlaffis ganze Männer machen soll. Der robuste Soldat ist wieder angesagt. Wie ihnen und der Öffentlichkeit der Kopf gewaschen wird, zeigen wir in zwei Berichten.
Mit Strömen hatte es auch einer der Traditionsstifter der Bundeswehr, allerdings mit "Strömen von Blut": Generalleutnant von Trotha führte schon 1904 einen "friedenschaffenden" Einsatz im Ausland durch: "Schöne alte Reichswehr"!
Durch frisches feuchtes Heidegras zu wandern ist rund um Wittstock-Ruppin auch nach dem Abzug der Sowjetarmee nicht möglich: Deren Bombenabwurfplatz möchte die "Armee der Einheit" gerne übernehmen. Die Bürgerinitiative "FREIeHEIDe" stellt sich quer und in diesem Heft vor.
Fließend kalt Wasser auch im Knast: Heiko Thiele mußte mehrere Monate hinter Gittern verbringen, weil er sich weigerte, seiner Wehrpflicht nachzukommen. In seinem Knastbericht schildert er seine Eindrücke.
Ob wir noch feucht hinter den Ohren sind, mögen die geneigten LeserInnen selbst entscheiden. Wer dazu beitragen möchte, daß wir den Jordan nicht überqueren müssen, darf gerne eine Flaschenpost abschicken und eine Kritik oder einen LeserInnenbrief bei uns loswerden. Für neue AutorInnen haben wir immer ein Wässerchen bereit: Wer gerne in illoyal veröffentlichen möchte, melde sich einfach bei der Redaktion.
Das nächste Mal taucht illoyal im Januar 1998 auf. Redaktionsschluß ist am 15. Dezember.
Und jetzt viel Spaß beim Lesen und Nachdenken!
die Redaktion illoyal
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