illoyal - Journal für Antimilitarismus
Worte zum Quartal
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Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser,
auch schon die Aufforderung Ihrer Krankenkasse erhalten, 20 Mark zu überweisen? Der Staat hat kein Geld mehr für die Krankenhäuser, daher werden die BürgerInnen zu einem "Notopfer" gebeten. Das dient einem guten Zweck: Die Krankenhäuser fallen nicht zusammen, und der Bundeshaushalt wird entlastet, so daß die 23 Milliarden für den Eurofighter gesichert sind. Ein Notopfer für künftige Kriege also? Wenn Sie Ihre 20 Mark allerdings für einen noch besseren Zweck einsetzen wollen, haben wir einen Vorschlag: Abonnieren Sie doch illoyal! Kostet nämlich genauso viel, verspricht aber viermal im Jahr Information und Unterhaltung. Vom europäischen Geist wird viel geredet, gesehen hat ihn bisher wohl noch niemand, wiewohl seine Verkünder unermüdlich durch die Lande eiern. Die nationalen Regierungen hecken gemeinsame Projekte aus, die diversen antimilitaristischen Bündnisse werkeln einzeln vor sich hin. Mit dieser Ausgabe haben wir den Blick über Rhein und Oder hinaus erhoben: Kriegsdienstverweigerung in Europa wo gibt es sie, wo nicht? Wo gibt es das verfassungsmäßige Recht auf Kriegsdienstverweigerung auf dem Papier und sonst nicht? Griechenland ist so ein Fall. Neuerdings ist dort das Recht auf Kriegsdienstverweigerung in der Verfassung verankert. Aber damit hat es sich auch schon. In "Hurra! Das griechische Überraschungsei ist da!" zeigen wir den Unterschied zwischen theoretischer Verfassung und praktischer Gestaltung. Ebenso in Rußland: In der Verfassung ist KDV möglich, aber bitte nicht im wahren Leben! Soldaten flüchten aus dem Militär, Zivilisten fürchten das MIlitär: Zwangsmusterungen, Zwangseinberufungen! Mitten in der Nacht kommen die Militärs über einen und schwuppdiwupp - ward er nicht mehr gesehen. Frankreich legt die Wehrpflicht ins Pantheon und stimmt künftig Schülerinnen und Schüler im Wehrkundeunterricht auf die Vaterlandsverteidigung ein: "Militär an der Schulfront". Die Schweiz hat von ihren Nachbarn abgeguckt und einen Zivildienst eingeführt. "Bewegung in der Alpenfestung" in die richtige Richtung? Wer Kriegsdienstverweigerung sagt, muß meistens auch an den Zivildienst denken. Während etwa KfZ-Mechaniker erst nach drei Jahren Ausbildung eigenverantwortlich an Autos herumfingern dürfen, werden Zivis sofort und ohne Lehrgang auf pflegebedürftige Menschen losgelassen. Das Sozialsystem ist darauf angewiesen, hört man. Wir haben nachgerechnet: Wieviel die Zivis einsparen, wieviel sie kosten, wer sie braucht. "Was kostet der Zivildienst?" Und wir haben verglichen: "Unterschied zwischen Wehrdienst und Zivildienst". Oder sind es doch eher Gemeinsamkeiten? Manchmal treffen (Friedens-)Nobelpreise auch die Richtigen: 1997 ging er an die Internationale Kampagne gegen Landminen. Aus diesem Anlaß stellt sich die Organisation medico international vor. Aber "dumme", bald verbotene Minen werden von der Rüstungsindustrie neuerdings einfach zu "intelligenten" umdefiniert: "Alles wird gut". Die Bundeswehr lassen wir nicht aus dem Blick. Volker "Einzelfall" Rühe wird die Gespenster, die er gerufen hat, nicht mehr los. Ungefähr zweimal die Woche schlagen sie zu. In der Regel kommentiert sich das selbst: "Einzelfall Bundeswehr", eine unvollständige Dokumentation. Der Militarismus mit all seinen Begleiterscheinungen hat eine Geschichte, die älter ist als 1000 Jahre. In der Frühjahrsausgabe wollen wir ihr nachgehen und widmen uns dem Thema: Militaristische Traditionen in der Bundesrepublik. Beiträge hierzu sind uns willkommen, und Redaktionsschluß ist der 8. März! die Redaktion illoyal |