illoyal - Journal für Antimilitarismus

Nr. 3 Lenz 98

News

Tip für angehende Soldaten:

Nur der Verlust des Lebens ist versichert, nicht der eines Fahrrads. Ein Rekrut hatte alles versucht, den Verbleib seines Drahtesels bis zu seiner Rückkehr von einer sechswöchigen Übung sicherzustellen. Die Vorgesetzen waren im Namen der BRD nicht bereit, das Rad in einem verschließbaren Raum zu dulden. Es endete mit einem wohl dauerhaften Out-of-area-Einsatz des Geräts - ohne daß Versicherung oder "Dienstherr" zahlen wollen. Ein Grund für Frau Marienfeld, Wehrbeauftragte der Bundesregierung, in ihrem Jahresbericht 1997 energisch und ohne Rücksicht auf die politischen Verhältnisse zu fordern, daß die Wehrpflichtigen über ihre privat abzudeckenden Risiken informiert werden. Hiermit geschehen.

Chinesisches Disneyland

Als Zeichen von "Volksnähe" wurde schon 1987 mit der China North International Shooting Range ein "Vergnügungspark" für Waffenfetischisten und -touristen eingerichtet. Die KundenbetreuerInnen haben für Neulinge und Profis das passende Angebot: Von Kalibergröße "Olympische Spiele" für Kinder über die 85er Pistole für Ladies hin zu M 16-Maschinengewehren und Scharfschützengewehren. Die Attraktion ist der Raketenwerfer. Bislang haben über 80.000 Menschen diesen Park besucht - bei 1,5 Pfennig pro Kugel zusätzlich zur Waffenmietgebühr. Inzwischen überlegen sich die Betreiber, das Angebot auszuweiten: schießen vom Flugzeug aus und mit Panzern. "Hey, das ist besser als Bowling", so ein Besucher. Ein Modell für das Bombodrom Wittstock?

Hammelburg-Video zeigte die Wahrheit

Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt hat jetzt die Ermittlungen gegen die ehemaligen Soldaten eingestellt, die 1996 im Ausbildungslager Hammelburg Vergewaltigungen und andere Folterungen geübt und davon ein Video produziert hatten. Oberstaatsanwalt Banner begründete die Entscheidung damit, das Video hätte "weder Gewalt verherrlicht noch verharmlost, noch die Bundeswehr böswillig verächtlich" gemacht. Die Video-Darstellungen verglich der Staatsanwalt mit Filmen von Monthy Python, die schließlich auch nur schwarzen Humor enthielten. Eines aber geht nur: Entweder war das Video schwarzer Humor, oder die Bundeswehr wurde dadurch nicht verächtlich gemacht. Daß ein Oberstaatsanwalt erkennt, daß die frisch-fröhliche Darstellung von Folterungen ein Aufruf zur Gewalt ist, ist zuviel verlangt. Die ausdrückliche Erklärung, die Bundeswehr würde durch das Video nicht verächtlich gemacht, läßt jedoch nur den Schluß zu, daß das Dargestellte Realität sei.

Gotteslästerlich

Ein Bible to All Deutschland e.V. wirbt mit dem Slogan "300.000 deutsche Soldaten brauchen Gottes Wort" für ein "Handbuch für Soldaten", das Bibeltexte und Berichte "von christlichen Soldaten" enthalten soll. Die Organisation setzt sich dafür ein, daß die Bundeswehr bei "Hilfsaktionen wie der Hochwasser-Katastrophe an der Oder ihren Dienst tut". Denn: "Gottes Wort ist stärker als Neonazis." Wir wissen nicht, was Gott zu Neonazis meint, erinnern jedoch die Leute von Bible to All wieder einmal an den schönen Satz aus Matth. 26,52 "Wer zum Leopard-Panzer greift, wird durch den Eurofighter umkommen."

Joints in the army

Herr Lindtner, Drogenbeauftragter der Bundesregierung, hatte einen tollen Vorschlag, wie man den Ecstasy-Konsum reduzieren könne: Schließung aller Techno-Clubs um drei Uhr! Kein Rave - keine Pillen! Nur Tage später klagte Wehrbeauftragte Marienfeld, 1997 seien 1.674 kiffende, koksende oder sonstwie Betäubungsmittel einwerfende Soldaten in flagranti erwischt worden - 100 Prozent mehr als vor vier Jahren. Tatorte: meist Kasernen. Die Bundeswehr als Spiegelbild der Gesellschaft? Soldaten mit Knarre im Anschlag auf dem Trip? Dagegen müsse man was tun, so Marienfeld. Finden wir auch: Lindtner, übernehmen Sie! Schließung aller Kasernen zwischen 0 Uhr und Mitternacht! Keine Armee - keine vollgepumpten Soldaten!

Völkermord nicht in Ordnung

Roman Herzog war Anfang März in Namibia, ehemals Deutsch-Südwest. Dort wurde er auf die barbarischen Methoden angesprochen, mit denen die deutsche Schutztruppe 1904 - 1907 Aufständische bekämpfte: Von rund 80.000 Hereros wurden 15.000 übriggelassen, von 17.000 Kriegsgefangenen überlebte nur die Hälfte (vgl. illoyal 1). Diese "Auseinandersetzung", so Herzog, sei "nicht in Ordnung" gewesen. Zynischer geht's kaum: Völkermord als Auseinandersetzung der etwas ruppigen Art. Demnächst werden wir zu hören kriegen, daß bei der deutsch-jüdischen Krise zwischen 1933 und 1945 die Methoden deutscherseits nicht immer ganz nett gewesen seien.

illoyal@Kampagne.DE