Tip für angehende Soldaten:
Nur der Verlust des Lebens ist
versichert, nicht der eines Fahrrads. Ein Rekrut hatte alles
versucht, den Verbleib seines Drahtesels bis zu seiner Rückkehr
von einer sechswöchigen Übung sicherzustellen. Die
Vorgesetzen waren im Namen der BRD nicht bereit, das Rad in einem
verschließbaren Raum zu dulden. Es endete mit einem wohl
dauerhaften Out-of-area-Einsatz des Geräts - ohne daß
Versicherung oder "Dienstherr" zahlen wollen. Ein Grund für
Frau Marienfeld, Wehrbeauftragte der Bundesregierung, in ihrem
Jahresbericht 1997 energisch und ohne Rücksicht auf die
politischen Verhältnisse zu fordern, daß die Wehrpflichtigen
über ihre privat abzudeckenden Risiken informiert werden.
Hiermit geschehen.
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Chinesisches Disneyland
Als Zeichen von "Volksnähe" wurde schon 1987 mit der China
North International Shooting Range ein "Vergnügungspark"
für Waffenfetischisten und -touristen eingerichtet. Die
KundenbetreuerInnen haben für Neulinge und Profis das passende
Angebot: Von Kalibergröße "Olympische Spiele" für
Kinder über die 85er Pistole für Ladies hin zu M
16-Maschinengewehren und Scharfschützengewehren. Die Attraktion
ist der Raketenwerfer. Bislang haben über 80.000 Menschen
diesen Park besucht - bei 1,5 Pfennig pro Kugel zusätzlich
zur Waffenmietgebühr. Inzwischen überlegen sich die
Betreiber, das Angebot auszuweiten: schießen vom Flugzeug
aus und mit Panzern. "Hey, das ist besser als Bowling", so ein
Besucher. Ein Modell für das Bombodrom Wittstock?
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Hammelburg-Video zeigte die Wahrheit
Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt hat jetzt die Ermittlungen gegen
die ehemaligen Soldaten eingestellt, die 1996 im Ausbildungslager
Hammelburg Vergewaltigungen und andere Folterungen geübt und
davon ein Video produziert hatten. Oberstaatsanwalt Banner
begründete die Entscheidung damit, das Video hätte "weder
Gewalt verherrlicht noch verharmlost, noch die Bundeswehr böswillig
verächtlich" gemacht. Die Video-Darstellungen verglich der
Staatsanwalt mit Filmen von Monthy Python, die schließlich
auch nur schwarzen Humor enthielten. Eines aber geht nur: Entweder
war das Video schwarzer Humor, oder die Bundeswehr wurde dadurch
nicht verächtlich gemacht. Daß ein Oberstaatsanwalt
erkennt, daß die frisch-fröhliche Darstellung von
Folterungen ein Aufruf zur Gewalt ist, ist zuviel verlangt. Die
ausdrückliche Erklärung, die Bundeswehr würde durch
das Video nicht verächtlich gemacht, läßt jedoch
nur den Schluß zu, daß das Dargestellte Realität
sei.
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Gotteslästerlich
Ein Bible to All Deutschland e.V. wirbt mit dem Slogan "300.000
deutsche Soldaten brauchen Gottes Wort" für ein "Handbuch
für Soldaten", das Bibeltexte und Berichte "von christlichen
Soldaten" enthalten soll. Die Organisation setzt sich dafür
ein, daß die Bundeswehr bei "Hilfsaktionen wie der
Hochwasser-Katastrophe an der Oder ihren Dienst tut". Denn: "Gottes
Wort ist stärker als Neonazis." Wir wissen nicht, was Gott zu
Neonazis meint, erinnern jedoch die Leute von Bible to All wieder
einmal an den schönen Satz aus Matth. 26,52 "Wer zum Leopard-Panzer
greift, wird durch den Eurofighter umkommen."
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Joints in the army
Herr Lindtner, Drogenbeauftragter der Bundesregierung, hatte einen
tollen Vorschlag, wie man den Ecstasy-Konsum reduzieren könne:
Schließung aller Techno-Clubs um drei Uhr! Kein Rave - keine
Pillen! Nur Tage später klagte Wehrbeauftragte Marienfeld,
1997 seien 1.674 kiffende, koksende oder sonstwie Betäubungsmittel
einwerfende Soldaten in flagranti erwischt worden - 100 Prozent
mehr als vor vier Jahren. Tatorte: meist Kasernen. Die Bundeswehr
als Spiegelbild der Gesellschaft? Soldaten mit Knarre im Anschlag
auf dem Trip? Dagegen müsse man was tun, so Marienfeld. Finden
wir auch: Lindtner, übernehmen Sie! Schließung aller
Kasernen zwischen 0 Uhr und Mitternacht! Keine Armee - keine
vollgepumpten Soldaten!
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Völkermord nicht in Ordnung
Roman Herzog war Anfang März in Namibia, ehemals Deutsch-Südwest.
Dort wurde er auf die barbarischen Methoden angesprochen, mit denen
die deutsche Schutztruppe 1904 - 1907 Aufständische bekämpfte:
Von rund 80.000 Hereros wurden 15.000 übriggelassen, von 17.000
Kriegsgefangenen überlebte nur die Hälfte (vgl. illoyal
1). Diese "Auseinandersetzung", so Herzog, sei "nicht in Ordnung"
gewesen. Zynischer geht's kaum: Völkermord als Auseinandersetzung
der etwas ruppigen Art. Demnächst werden wir zu hören
kriegen, daß bei der deutsch-jüdischen Krise zwischen
1933 und 1945 die Methoden deutscherseits nicht immer ganz nett
gewesen seien.
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