illoyal - Journal für Antimilitarismus

Nr. 3 Lenz 98

Strammstehen am Schulausgang Über die Arbeit der Jugendoffiziere

Der Anblick von Jugendoffizieren gehört mittlerweile zum alltäglichen Bild an Schulen.

Der Presse- und Informationsstab des Verteidigungsministeriums kommt überall zum Einsatz, wo die Hegemonie des militärischen Denkens verteidigt oder erobert werden soll. Im Informations- und Pressestab des Verteidigungsministeriums werden Einsätze von Jugendoffizieren in Schulen ebenso geplant wie wehrpolitische Seminare für LehrerInnen und die Zusammenarbeit mit den Bildungsbehörden. Am deutlichsten formulierte wohl das baden-württembergische Kultusministerium in den 70er Jahren das militärische Erziehungsziel: Die Pflicht der Schule sei es, "die Aufgaben der Bundeswehr so verständlich zu machen, daß sie vom Schüler als notwendig anerkannt werden können."

Die Aufgaben der Jugendoffiziere sind klar definiert: Die SchülerInnen sollen Bundeswehr und Wehrpflicht akzeptieren und befürworten. Imageverluste der Bundeswehr, z.B. durch unzählige "rechtsradikale Einzelfälle" oder Rüstungsgroßprojekte, wie den Eurofighter, dürfen aus Sicht der BW-Strategen nicht zur generellen Ablehnung militärischer Strukturen führen. Jugendoffiziere sind Werbestrategen und Werbeträger in einem. So wird der Dienst beim Bund beschönigt, wird mit Bedrohungsszenarien und konstruierten Feindbildern die Notwendigkeit einer Verteidigungsarmee begründet und durch Heranziehen sämtlicher militärischer Konflikte der Welt die deutsche Pflicht zu "friedensschaffenden Maßnahmen" erläutert. Aber Jugendoffiziere erfüllen noch einen anderen Zweck: Durch ihr Auftreten in Uniform wird die Schule schrittweise militarisiert, damit sich Jugendliche frühzeitig an das Bild von Soldaten gewöhnen.

Die Werbe- und Informationstätigkeit der BW wird von etwa 2.500 haupt- und nebenamtlichen Jugendoffizieren getragen. Wer Jugendoffizier werden will, muß nicht nur über die richtige Gesinnung verfügen, sondern erhält auch noch eine spezielle Schulung. In Lehrgängen werden angehende Jugendoffiziere auf die inhaltlichen Diskussionen mit kritischen SchülerInnen vorbereitet und vor allem rhetorisch geschult. Dort lernt der Jugendoffizier, daß er sich immer als "gebildeter", "demokratischer", "kritischer" Soldat zu geben hat. Nach dem Motto "Kleine Fehler zugeben, um die großen zu vertuschen", soll er um Vertrauen werben. Kritische Einwände darf er niemals abwürgen, sondern muß sich den angeblich "neuen Argumenten" aufgeschlossen zeigen, um sie dann um so massiver zu widerlegen. Mit unterschiedlichen rhetorischen Schleifen appelliert er an die Verantwortung der SchülerInnen für das Allgemeinwohl und stellt den Dienst bei der BW als wertvolle Erfahrung dar.

Der Einfluß der Jugendoffiziere kann sich sehen lassen: Etwa 300.000 Jugendliche werden jährlich durch Bundeswehrveranstaltungen in Schulen, Kasernenfahrten oder spezielle Seminare erreicht. Statt auf kritisches Gespräch wird zunehmend auf den "emotionalen Zugang" durch Erlebnisformen gesetzt. So soll z.B. durch Kasernenbesuche Militär und Disziplin alltäglich werden. Persönliche Kontakte mit "einfachen Soldaten" und die Faszination der Technik werden als erfolgreiche Strategien angesehen, um SchülerInnen zu manipulieren. Was zufällig aussieht, ist langfristig geplant. So wurden Jugendoffiziere im letzten Jahr aufgefordert, zu Schulbesuchen möglichst ehemalige Schüler dieser Schule, die gerade ihren Wehrdienst ableisten, mitzunehmen, um glaubwürdiger zu wirken.

Aber nicht immer ist der Einfluß der BW so offensichtlich. Jugendoffiziere beteiligen sich auch an der Erstellung von Unterrichtsmaterialien, die entweder in die normalen Schulbücher eingearbeitet werden oder als Bundeswehrmaterialien erkennbar sind. Die notorischen Finanzprobleme der bundesdeutschen Schulen tun ihr übriges, daß die Broschüren und Filme der Bundeswehr in den Unterricht einfließen. Natürlich sind Jugendoffiziere auch zur Stelle, wenn neue Rahmenpläne im Schulsenat oder in Kultusministerien erarbeitet werden.

Die grundsätzliche Frage, ob das Auftreten von Jugendoffizieren mit den demokratischen und emanzipatorischen Bildungsidealen vereinbar ist, bleibt offen. Die Schule soll offiziell alle relevanten gesellschaftlichen Positionen in gleicher Weise berücksichtigen, doch Vertreter einer Gegenposition werden oft nicht einmal eingeladen. Der Jugendoffizier, der die Kriegsdienstverweigerung nur am Rande erwähnt, kann die Gegenposition nicht vertreten. Warum sollte er auch?

Carsten Dannel

Die JungdemokratInnen/Jungen Linken setzen sich "radikal für Freiheit und Demokratie" ein. Sie engagieren sich auch gegen den Militarismus an Schulen.

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