illoyal - Journal für Antimilitarismus
An einem Donnerstag im Februar war es soweit. Obwohl wir alle schon
irgendwie eine Idee hatten, was wir so im Leben anfangen könnten,
gingen wir ins Berufsberatungszentrum BIZ des Potsdamer Arbeitsamtes.
Denn dort sollte Herr Thomas von der Bundeswehr beraten - quasi
Zukunfts-Chancen erläutern. Da nicht allzuviel los war,
mußten wir gar nicht lange warten und konnten gleich unsere
vielen Fragen loswerden. Wie man am besten Freunde beim Bund finde?
Ob man seine Reichskriegsflagge mit aufs Zimmer nehmen könne?
Ob's denn heiß hergehe bei so einem Auslandseinsatz? Und so
weiter.
Herr Thomas hat in seiner Ausbildung gut aufgepaßtund schnell gemerkt, an wen er gekommen war. Er hat auch begriffen, daß Personaloffiziere der Bundeswehr in solchen Fällen nicht kneifen, sondern sich dem Feind stellen. Dienst ist schließlich Dienst. Und so bekamen wir unter den schon leicht nervösen Blicken der Damen vom BIZ eine ausführliche Einführung in die Grundkapitel der Vaterlandsverteidigung. Ob es die "demokratische Hierarchie" betraf, die Möglichkeiten der Beschwerde, die Verteidigungspolitischen Richtlinien oder auch Nazis in der BundesWehrMacht - Herr Thomas konnte alles beantworten. Etwas hilflos manchmal, aber was soll er tun, wenn sich so viele Nazis einen "Waffenschein" holen wollen. Er hätte sie schließlich lieber auch nicht dabei. Auch die vielen Traditionszimmer nicht. Das sage er uns aber nur als Bürger, nicht als Soldat. Ein Musterbeispiel des "Bürgers in Uniform".Leider blieben wir zeitweise nicht die einzigen, die Herrn Thomas besuchen wollten. So kam auch ein junger Mann in Begleitung seiner Eltern. Wir diskutierten gerade über Auslandseinsätze der Bundeswehr und darüber, daß die Rückreise dann zuweilen im Zinksarg stattfände. Auf unsere Bemerkung, daß Herr Thomas den jungen Mann auch darüber aufklären möge, meinte Papa: "Dat wäre ja wohl klar, darüber muß man nich reden." Söhnchen hat nicht schlecht gestaunt. Leider sind sie gleich wieder gegangen. Papa wollte nicht warten, bis Herr Thomas uns die Bundeswehr erklärt hatte.
Etwas haben wir gelernt:Herr Thomas nimmt nicht jeden. Seine Jungs sollen Manieren und was im Köpfchen haben, aber sich auch unterordnen können. Nazis nimmt er nicht, wenn er sie erkennt. Wie kommen sie also zum Bund?Jörg Kwapis |