illoyal - Journal für Antimilitarismus

Nr. 5 Herbst 98

Worte zum Quartal

Karikatur

Alle Macht, liebe Leserinnen und Leser,

komme aus den Gewehrläufen, unterrichtete uns einst der Vorsitzende Mao Tse-Tung. Eine Menge Macht auf jeden Fall, das dürfte unstrittig sein. Daß eine Waffe eine gute Sache sei, wenn sie für eine gute Sache sei, lehrten auch viele andere. Daß für mehr oder weniger gute Sachen aber oft eher mehr als weniger Menschen ihr Leben lassen, ist die andere Seite der Medaille. "Wo gehobelt wird, fallen Späne" und andere Sprüche hat man oft gehört. Aber wie sieht es mit Alternativen zu militärischer Konfliktbearbeitung aus? Die Leute, denen dazu etwas einfällt, sind schon längst nicht mehr an Jesuslatschen zu erkennen. Während allerdings dem Kriegsministerium ...zig Milliarden jährlich zugestanden werden, müssen Friedensforscher meist von Spenden leben. Dabei gibt es Möglichkeiten, bewaffneter Gewalt unbewaffnet zu begegnen. Ob in jedem Fall mit Erfolg, ist zwar fraglich. Aber wer garantiert denn den Erfolg von Gegengewalt?

In diesem Heft stellen wir einige Konzepte vor, wie es anders laufen könnte. Mit der "Theorie" der zivilen Konfliktbearbeitung beschäftigt sich unser Einleitungstext. Auf der staatlichen Ebene spielen seit jeher Embargos eine große Rolle. In den letzten Jahren kommen andere Mechanismen nicht-militärischer Einflußnahme und Kriegsprävention hinzu, wie beispielsweise die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Doch auch "einfache" Leute setzen sich mit einer Vielzahl von Methoden der Logik der Gewalt entgegen. Wir beleuchten, wie sich Initiativen und Nicht-Regierungsorganisationen in Kolumbien und Nordirland engagieren. Zum Teil können diese Organisationen auf eine lange Tradition zurückblicken. In unserer kleinen Geschichte des Antimilitarismus stellen wir deshalb diesmal die Quäker vor.

Außerdem in diesem Heft:

Das Treiben von Bundesregierung und "Vertriebenen"-Verbänden ist eher geeignete Konflikte zu schüren, als sie zu lösen: Auch 50 Jahre nach Ende des Krieges verstummen die Forderungen nach Osterweiterung nicht.

Wer andere ermordet und Menschenrechte mit Füßen tritt, hat meist nicht viel zu befürchten, wenn er Staatschef oder General ist. In Zukunft muß er aber damit rechnen, sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof wiederzufinden.

Friedlich, phantasievoll und erfolgreich ist last but not least die Kampagne Potsdam: Die hat den

Langen Kerls wieder einmal ein Bein gestellt. Schwerer hatten es die Antimilitaristen, die sich in die "national befreite Zone" des Oderbruchs begaben, um dem Gelöbnis zu Ehren der Oderflut beizuwohnen.

In unserem Winterheft werden wir uns mit dem Thema "Innere Sicherheit" beschäftigen. Redaktionsschluß ist der 7. Dezember. Auf Meinungen und Kritik zu unserer Zeitschrift sind wir wie immer neugierig und wünschen Ihnen einen schönen Herbst.

die Redaktion illoyal

illoyal@Kampagne.DE