Worte zum Quartal
Liebe Leserinnen, liebe Leser,leider passiert immer mehr, als sich in einer illoyal-Ausgabe beschreiben läßt. Und es geht zu schnell, als daß wir jedes Ereignis sofort kommentieren könnten. Während der Redaktion dieses Heftes bewegte sich die NATO und mit ihr die Bundeswehr jeden Tag ein Stück mehr auf den völkerrechtswidrigen Einsatz von Truppen im Kosovo zu. Nun soll mit hohem militärischem Druck für "Frieden" gesorgt werden, nachdem diejenigen, die jahrelang gewaltfrei für den Autonomiestatus des Kosovo gearbeitet haben, mit ihrem Bemühen international alleingelassen wurden. Die Berliner BZ schreit am 24.3.: "Deutsche Tornados fliegen in der ersten Reihe". Und was sollen sie da bewirken? Das ist militärgestützte Politik: abwarten, bis außer einer militärischen "Lösung" nichts mehr zu gehen scheint. Wie es im Kosovo dazu gekommen ist, lesen Sie ab S. 26. Die Frau ist das Hinterland des Soldaten. Oder etwa nicht? Einige weibliche Bundeswehrangehörige versuchen seit einiger Zeit, sich per Gerichtsbeschluß in die vorderen Linien zu klagen. In der mittlerweile modischen Debatte um die Beteiligung von Frauen in Kampfeinheiten ist ein wenig aus dem Blick geraten, was Frauen und Militär, Frauen und Krieg zuallererst verbindet: Mindestens 90 Prozent aller Opfer in modernen Kriegen sind Zivilpersonen, also Frauen, Kinder, alte Menschen. Uns will deshalb partout nicht einleuchten, daß es ein Zeichen von Gleichberechtigung sein soll, wenn Frauen sich daran beteiligen, Frauen, Kinder, alte Menschen zu töten. In dem Beitrag "Ganz normale Alltagstypen" dokumentieren wir die Gewalt gegen Frauen, die Soldaten in Geschichte und Gegenwart als Teil der "ganz normalen Kriegführung" benutzt haben und noch benutzen. Thomas Ruttig zeigt in seinem Beitrag, daß weder der Krieg noch der kulturzerstörerische Fanatismus der Taleban es bisher vermocht haben, den Widerstand afghanischer Frauen gegen ihre völlige Entrechtung zu brechen. Wie Männer zu Soldaten und Soldaten zu wahren Männern gemacht werden, zeichnet Astrid Albrecht-Heide nach. Merkwürdigerweise spielen Putzen, Bettenmachen und adrettes Aussehen eine große Rolle dabei. Auch der verbreiteten Meinung, Frauen seien friedfertiger als Männer, gingen wir nach und fragen: Wem nützt diese Ansicht? Außerdem in diesem Heft: Immer noch kein Frieden für die "Offene Heide", Streit zwischen Grünen und Friedensbewegten und öffentliche Ärgernisse durch pöbelnde Wehrpflichtige in der Bahn. In letzter Minute erreichte uns die Nachricht, daß ein Potsdamer Richter die Wehrpflicht als verfassungswidrig einschätzt und die Frage der Wehrpflicht nun dem Verfassungsgericht unterbreitet. Hoffnung für Totalverweigerer und alle anderen, die weder Kriegsdienst mit noch ohne Waffe leisten möchten? Der nächste Redaktionsschluß ist der 8. Juni. Wir sind gespannt auf Ihre Meinung zu diesem Heft und wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!
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