| Über zwei Millionen junge
Männer, liebe Leserinnen und Leser, sind seit Einführung der Wehrpflicht als Kriegsdienstverweigerer anerkannt worden, 1,4 Millionen haben ihren Zivildienst voll abgeleistet. Jugendliche sehen in der Armee nicht mehr den Normalfall, Lebenslauf und Selbstverständnis junger Männer haben sich gewandelt. Was massenhafte Kriegsdienstverweigerung nicht automatisch bedeutet: eine Zivilisierung der Politik. Der Zivildienst ist Teil der Wehrpflicht, als solcher wird er auch in strategische Überlegungen zur Kriegführung eingeplant. Totale Kriegsdienstverweigerer aber sind nach wie vor weitgehend auf sich allein gestellt. Wir berichten darüber, welche Gründe hinter ihrer Entscheidung stecken und stellen das Projekt Juristische Unterstützung für Totalverweigerer vor. Wir erörtern, wie andere Jugendliche dazu kommen, sich für den Zivildienst zu entscheiden, und was sie danach tun - gerade das vielerorts gelobte Engagement von Zivis im Pflegebereich ist für die Pflegebedürftigen nicht ohne Risiko. Und wir berichten über Kriegsdienstverweigerung in der DDR. Den Dienst nicht verweigert haben diejenigen, die im Frühjahr den ersten Kriegseinsatz der BRD mitgemacht haben. An Aufforderungen zur Befehlsverweigerung und zum Verlassen der Truppe hat es jedoch nicht gemangelt. Nachdem die jugoslawische Armee aus dem Kosovo hinausgebombt wurde, wird einheimischen KriegsgegnerInnen der Prozess gemacht - wegen Aufforderung zur Straftat, hier: zur Desertion. Früher hieß das einfach Wehrkraftzersetzung. Wir berichten über Strafverfahren und Motivationen. Nicht fehlen wollte die Bundeswehr auch in Ost-Timor. Zwar sind die Personalkapazitäten der Bundeswehr mit dem Balkan-Einsatz erst mal erschöpft, aber für 80 Sanitätssoldaten, die hin und wieder erkältete Australier behandeln, hat es noch gereicht. Unsere Autorin zeigt auf, dass die "humanitäre Katastrophe" in Ost-Timor nicht nur absehbar war, sondern wirtschaftlichen Erwägungen hervorragend entsprechen. Ebenfalls geduldete Gewalttaten ausführen darf ein strategisch wichtiger "Nato-Partner": Die Türkei, für die gerade ein Testpanzer unterwegs ist, setzt ihre Wehrpflichtigen auch in Kampfgebieten ein und denkt nicht daran, ihnen die Möglichkeit zur Kriegsdienstverweigerung zu geben. Mann geht zum Militär und schweigt über das, was er dort erlebt. 42 gediente Soldaten haben ihr Schweigen in Gesprächen mit einer Journalistin gebrochen. Das Buch wurde umgehend verboten. Wir veröffentlichen ein Interview mit der Herausgeberin, der wegen "Beleidigung des Militärs" eine Gefängnisstrafe droht. Außerdem im Heft: Krieg in Tschetschenien, Deichsoldaten an der Oder, Desertöre und Bücher über den Jugoslawien-Krieg. Wir hoffen, Sie bleiben im neuen Jahr interessiert und kritisch und teilen uns Ihre Meinung zu unseren Beiträgen und dem, was darin geschildert wird, mit. Mit den besten Grüßen Ihre Redaktion illoyal |