illoyal - Journal für Antimilitarismus

Nr. 11 Frühling 2000

Worte zum Quartal

Liebe Leserin und lieber Leser,

alle Welt globalisiert sich, aber die Armeen bleiben - trotz Nato, Weu und anderen supranationalen Militärbündnissen - zu einem erheblichen Grad nationalstaatlich organisiert. Entsprechend richten sich die Organisationen der Militärgegner und Militärgegnerinnen an den Grenzen ihres jeweiligen Nationalstaats aus. Die Scheuklappen bleiben also meistens unten.

In dieser Ausgabe wollen wir einen Ausschnitt des Antimilitarismus anderswo anbieten. Wir haben verschiedene internationale Organisationen gebeten, uns und unseren Leserinnen und Lesern einen Einblick in ihre aktuelle Arbeit zu geben und die konkreten Konflikte vor Ort zu schildern, die sie gegenwärtig austragen. Diese Organisationen repräsentieren selbstverständlich nicht die generelle Situation der Antimilitaristen und Antimilitaristinnen in ihren jeweiligen Ländern (USA, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Italien, Türkei, Österreich und Jugoslawien), aber sie geben Anhaltspunkte, die Schlüsse über den Erfolg oder Mißerfolg der individuellen Organisation hinaus zulassen.

Das interessanteste Ergebnis der vorliegenden Artikel ist, dass sich der Antimilitarismus anderswo völlig ungleichzeitig entwickelt. Während in einem Land wie den USA Ereignisse wie die Verhinderung der WTO-Tagung für frischen Wind auch unter den friedensbewegten und antimilitaristischen Kräften gesorgt hat, zeigt sich, dass sich etwa die französischen Bewegung nach der Abschaffung der Wehrpflicht in Frankreich strategisch neu positionieren muss. Die Auf- und Abschwünge der antimilitaristischen Bewegungsaktivitäten stehen oft im Zusammenhang mit dem Elan anderer sozialer Bewegungen. Man zieht sich gegenseitig hoch, aber auch runter.

Unter der Rubrik "Berichte" erklärt uns Weyni Habtemariam den Konflikt zwischen Eritrea und Äthiopien, in dessen Zentrum der Grenzverlauf zwischen den beiden Staaten und die Zugehörigkeit der Stadt Badme stehen. Ulrike Gramann kommentiert das EuGH-Urteil im Fall Tanja Kreil, das Frauen nun auch andere Laufbahnen bei der Bundeswehr als den Sanitäts- und Militärmusikdienst beschert, und zeigt dessen Konsequenzen auf. Thomas Klein befasst sich mit dem wachsenden Problem der Kleinwaffen und zeigt, dass es sich nur vermeintlich um ein Randthema der Rüstungsproblematik handelt.. Christopher Steinmetz berichtet schließlich über eine Tagung im russischen Perm, bei der über die Umsetzung des KDV-Rechts in Russland gestritten wurde. "Innenansichten" geben diesmal das Büro für antimilitaristische Maßnahmen Berlin und die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär Potsdam preis.

Wir wünschen viel Spaß und Erkenntnis bei der Lektüre des Heftes.

Die illoyal-Redaktion

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