| Liebe Leserin und lieber Leser,
das Kabinett hat eine Wehrstrukturreform beschlossen. Es geht dabei um die Modernisierung der Bundeswehr und ihre Ausrüstung mit neuartigen Waffen. Zweck der Übung ist die Herstellung weltweiter Interventionsfähigkeit. Was unter Rühe vorbereitet wurde - Rot-Grün macht's möglich. Unter dem harmlos klingenden Namen "Einsatzkräfte" werden Krisenreaktionskräfte in verdreifachter Zahl für Einsätze in aller Welt fit gemacht. Bundeswehr und Bundesregierung wollen uns glauben machen, dass Militäreinsätze aus humanitären Gründen und im Interesse bedrohter Menschenrechte durchgeführt werden sollen. In Wahrheit haben Waffen und Militäreinsätze auch im Jahr 2000 den Zweck, den sie schon immer hatten: Menschen bedrohen, verletzen und töten, um damit mörderische Interessenpolitik zu treiben. Im Zentrum der wirtschaftlichen und strategischen Interessen stehen zu Beginn des dritten Jahrtausends die Rohstoffe und als einer der wichtigsten das Öl, das allgegenwärtige Schmier- und Brennmittel der automobilen und durch und durch chemisierten Welt. Diesem haben wir in unserem Schwerpunkt "Krieg wie geschmiert" Raum gegeben. Mit Jochen Hipplers Beitrag erinnern wir an den zweiten Golfkrieg, mit dem zu Anfang der 90er das Öl als Brennstoff für Konflikte in den Blick rückte und der bis heute nicht beendet ist, denn noch immer bombardieren die USA "Ziele" im Irak. In Fallstudien zum Kaukasus, zu Afghanistan und Kolumbien wird beschrieben, wie Ölindustrie und Militär unheilvolle Allianzen eingehen. Wo Pipelines gebaut werden, wird der Bevölkerung nicht selten Arbeit, Entwicklung und Wohlstand versprochen. Die natürlichen Lebensgrundlagen werden zerstört; Proteste von Betroffenen werden mit Gewalt beantwortet. Außerdem in diesem Heft: AktivistInnen aus den USA kämpfen um die Schließung der School of the Americas, in der Spezialisten für Terror gegen die Zivilbevölkerung ausgebildet werden. Zu den Verbrechen, die von Armeen und Bürgerkriegsparteien verübt werden, gehören Rekrutierung und Einsatz von Kindersoldaten. Kinder und Jugendliche, die einen solchen Einsatz überleben, bleiben seelisch verwundet zurück. Andreas Rister von der Kinderhilfsorganisation terre des hommes beschreibt, wie versucht wird, den Einsatz von Kindersoldaten in Zukunft zu verhindern und Kinder und Jugendliche zu rehabilitieren. Die Wehrpflicht ist ins Wanken gekommen. Der Totalverweigerer Volker Wiedersberg begründet, warum sie dem Grundgesetz widerspricht. Auf Meinungen und Kritik sind wir wie immer neugierig. Schreiben Sie uns! Der nächste Redaktionschluss ist der 6. September. Einen schönen Sommer wünscht Ihnen Ihre Redaktion illoyal |