illoyal - Journal für Antimilitarismus

Nr. 16 Sommer 2001

Worte zum Quartal

Liebe Leserin und lieber Leser,

alle wissen, daß Deutschland einer der größten Rüstungsexporteure der Welt ist. Und wie sieht es mit der Planung des Eigenbedarfs aus? Tja, die meisten, die sich wirklich mit Rüstungsneuentwicklungen auskennen, sind wenig auskunftsfreudig. Die wenigen Auskunftsfreudigen aber sind chronisch überlastet... Was unsere Autoren trotzdem für uns herausgefunden haben, zeigt: Neue Waffen werden so präsentiert, als wären sie gar keine, und das macht sie mindestens genauso gefährlich wie die Waffen alten Typs. Jan van Aken beschreibt, wie in den Labors an - international eigentlich längst geächteten - Biowaffen gearbeitet wird. Klaus Dieter Meyer hat für illoyal eine Übersicht über "nicht tödliche" Waffen und ihre Auswirkungen zusammengestellt; Christopher Steinmetz schreibt über die deutsche Beteiligung an den europäischen Raketenplänen, und Stefan Gose hat die absichtsvolle Verwirrung des Verteidigungshaushalts unter die Lupe genommen. Der Trick scheint zu sein, die Kosten einfach in die Zukunft zu verlagern.

Um die Zukunft sorgen sich auch die AktivistInnen der Bürgerinitiative "Freie Heide". Schien es nach dem höchstrichterlichen Urteil, als sei die letzte Bombe auf dem Testgelände nun geworfen und die Heide würde endlich wieder den Eichhörnchen und den SpaziergängerInnen gehören, erweist sich nun, daß die Bundeswehr überhaupt nicht daran denkt, das Feld zu räumen. Wie das kommt, erklärte uns in einem Gespräch Ulrich Görlitz. Ist die Zukunft der Heide auch ungewiß, die Zukunft der Wehrgerechtigkeit ist sicher: Bereits jetzt gibt es 606.000 Wehrpflichtige mehr, als die Bundeswehr einberufen kann. Matthias Mücke hat Zahlen herausgefunden, deren Deutung klar ist: Bleibt die Wehrpflicht, ist die Wehrgerechtigkeit längst davonmarschiert.

Außerdem in diesem Heft: Guerilla und Paramilitärs in Kolumbien, Lex Jehova, drohende Abschiebung eines Kriegsdienstverweigerers. Und wer bis eben noch glaubte, die perfekte Lösung seines Wehrpflichtproblems sei eine Verpflichtung zum Katastrophenschutz, kann für die nächsten sieben Jahre schon mal die Wochenenden streichen.

Wir wünschen Ihnen warme Sommertage, damit Sie unsere Zeitschrift mit ins Freibad nehmen können, und uns hier in der Provinzhauptstadt Berlin wünschen wir, daß es trotz der völligen Pleite der Stadt bald noch ein Freibad gibt

Ihre Redaktion illoyal

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