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Welche Schweizerin, welcher Schweizer ist nicht schon einem Soldaten im Zug begegnet, mit Rucksack, Sturmgewehr und im "Vierfruchtkombi". (Gemeint ist der Kampfanzug der Schweizer Soldaten - in der Schweiz wird der Ausdruck "Vierfrucht" für all das Zeug in Tarnfarben benutzt.) Oder sieht Samstagnachmittag in einer Kleinstadt die wehrpflichtigen Männer mit Velo oder Töff und umgehängtem Sturmgewehr Richtung Schießplatz fahren, die ihr "Obligatorisches" schießen müssen, die regelmäßige Schießpflicht der Schweizer Soldaten. Für uns in der Schweiz ein alltägliches, aber immer noch furchteinflößendes Bild.
Früher konnte jeder Wehrmann nach Absolvierung seiner Dienstzeit "seinen" Karabiner mit nach Hause nehmen. Zudem lagern die Soldaten der Schweizer Armee seit je her ihre Dienstwaffen zu Hause, mit Uniform, Rucksack und Munition. Schon vor dem 1. Weltkrieg galt es, die Philosophie des "Wehrwillens" zu demonstrieren. Die Schweizer Armee sollte ihre Präsenz markieren im Sinne von "Wenn der Feind an der Grenze steht, sind die Schweizer parat". Momentan sollen rund 450.000 Gewehre in Schweizer Wohnstuben aufbewahrt werden. Schon in den achtziger Jahren bemängelten Feministinnen diese patriarchale Schweizer Eigenart, hatten aber keine Chance etwas gegen dieses uralte Gewohnheitsrecht zu unternehmen. Und die Armeeabschaffungsinitiative ging ja bekanntlich 1998 verloren. Der Frauen, die zu Hause von ihren Männern mit ebendiesen Gewehren bedroht, gefügig gemacht oder umgebracht wurden, waren nicht wenige. Nur schon das Wissen um Waffe und Munition hatte damals ausgereicht, um Frauen in meist klassischen Rollen gefügig zu machen. Im neuen Jahrtausend wird einerseits der Wehrwillen der jungen Schweizer immer kleiner, und die Armeereform XXI sieht auch eine bedeutend kleinere Armee vor. Nun hat die Armee 250.000 Sturmgewehre übrig und will sie verschenken! An "berechtigte Angehörige der Armee", was immer das auch heißen mag. Was das für kriegsgefährdete Gebiete heißen kann, will sich im VBS, dem zuständigen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, wohl keiner so richtig vorstellen. Die zuständige Sicherheitspolitische Kommission hat über die genauen Bedingungen der Abgabe der Waffen an die Wehrmänner und deren Bedeutung noch nicht getagt. Und darüber daß mit den Gewehren ein riesiges Geschäft gemacht werden könnte, wohl auch nicht. Wie das Schweizer Nachrichtenmagazin "Facts" in einem Artikel in diesem Jahr schrieb, tauchten Schweizer Sturmgewehre in Kriegsgebieten in Mazedonien auf. In den letzten Jahren wurden die halbautomatischen Waffen immer wieder für Überfälle, Privatfehden oder Morde benutzt. Und nun sollen also eine Viertelmillion Waffen an die Soldaten verschenkt werden. Da werden Nato-Truppen nach Mazedonien geschickt, um Waffen einzusammeln, und die Schweiz wirft neue auf den Markt, wovon sicherlich einige den Weg auf den Balkan finden werden! Da der Schweiz der Feind schon länger ausgegangen ist, lancierte die GSoA eine zweite Armeeabschaffungsinitiative, welche am 2.12. dieses Jahres zur Abstimmung kommt. Wir hoffen, daß die Schweizer BürgerInnen am 2. Dezember die Armee endgültig abschaffen und daß sämtliche Waffen im Schredder landen. Erika Mezger |
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